Die Erfindung der Lust: Was ein Kinofilm und zwei Zeitungen diese Woche über den Orgasmus sagen
Von Anton · 10. September 2026 · 6 Min. Lesezeit
Eine französische Komödie über ein Ehepaar, das nach zwanzig Jahren den Orgasmus neu erfindet, läuft noch in österreichischen Kinos. In derselben Woche schrieben Heute und Kurier über genau dieses Thema. Mit Trailer, Kinoliste und dem, was davon in deine Lade passt.
Fanny und Tom sind seit über zwanzig Jahren verheiratet. Eines Abends sagt Fanny ihrem Mann etwas, das sie ihm die ganze Zeit verschwiegen hat: Einen Orgasmus hatte sie noch nie. Tom ist Ingenieur, und er nimmt das persönlich. Also baut er ein Gerät.
So beginnt „Chéri, ich komme! Die Erfindung der Lust“, eine französische Komödie von Reem Kherici mit Alexandra Lamy und François Cluzet, die seit dem 23. Juli in den österreichischen Kinos läuft. Die Geschichte ist frei inspiriert von einem echten Paar: Michael und Brigitte Lenke aus Deutschland, die den Womanizer entwickelt haben, den ersten Druckwellen-Vibrator. Eine Biografie ist der Film nicht, und das behauptet er auch nicht. Er ist eine Komödie über etwas, worüber Paare selten reden.
Warum ich dir das heute erzähle: Der Film läuft noch. Und in derselben Woche standen in zwei österreichischen Zeitungen zwei Artikel, die genau denselben Punkt machen wie der Film, nur ohne Kinokarte. Dazu gleich mehr. Zuerst der Trailer.
Trailer zu „Chéri, ich komme! Die Erfindung der Lust“ (Kanal Filmtoast Trailer). Das Video liegt bei YouTube und lädt erst, wenn du auf das Bild klickst. Bis dahin wird keine Verbindung zu Google aufgebaut; beim Abspielen gelten die Datenschutzbestimmungen von YouTube.
Der Film in Kürze
- Titel: Chéri, ich komme! Die Erfindung der Lust (Originaltitel: Pour le plaisir)
- Regie: Reem Kherici
- Mit: Alexandra Lamy, François Cluzet, Camille Aumont Carnel, Mitty Hazanavicius
- Land, Jahr, Länge: Frankreich, 2026, 89 Minuten
- Kinostart in Österreich: 23. Juli 2026, im Verleih von Luna Filmverleih
Ich verspreche dir keinen großen Film. Der Falter fand ihn eher trocken. Aber er bringt ein Thema auf die Leinwand, das sonst nur im Schlafzimmer vorkommt, und er tut das ohne Häme. Das ist schon etwas wert.
Wo der Film noch läuft
Stand 10. September 2026, laut Kinoprogramm im Falter. Die Spielwoche geht bis 16. September; danach entscheiden die Kinos neu. Schau also vor dem Hinfahren kurz auf die Seite des Kinos.
- Wien: Votiv Kino, Cine Center, De France, Village Cinemas Wien Mitte, Cineplexx Auhof
- Niederösterreich: Cinema Paradiso St. Pölten, Cinema Paradiso Baden
- Oberösterreich: Moviemento Linz, Lichtspiele Katsdorf
- Steiermark: Schubert Kino Graz, Kino Gröbming, Jufa Kino Murau (dort auch noch am 27. September)
- Kärnten: Wulfenia Klagenfurt, Stadtkino Center Villach
- Salzburg: Stadtkino Hallein
- Tirol: Cinepoint Seefeld
Die aktuellen Spielzeiten findest du im Kinoprogramm des Falter.
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Was Heute und Kurier diese Woche geschrieben haben
Am 9. September titelte Heute: „Mythos entlarvt. Expertin: Vaginale Orgasmen gibt es nicht“. Die Expertin in dem Artikel ist eine Sexologin, und der Satz klingt härter, als er gemeint ist. Was dahintersteckt, ist keine neue Erkenntnis, aber eine, die sich schwer herumspricht: Der Orgasmus entsteht bei den meisten Frauen über die Klitoris, nicht über die Scheide. Wer beim Sex ohne zusätzliche Stimulation nicht kommt, ist nicht kaputt. Wer glaubt, das müsse so gehen, wartet auf etwas, das der Körper so nicht vorgesehen hat.
Zwei Tage davor, am 7. September, stand im Kurier: „Weshalb vaginale Feuchtigkeit kein Beweis für Lust ist“. Auch das räumt mit einer Annahme auf, die viele Paare mit sich herumtragen: Feucht heißt erregt, trocken heißt nicht erregt. So einfach ist der Körper nicht. Feuchtigkeit hängt vom Zyklus ab, von Hormonen, von Medikamenten, vom Stillen, von den Wechseljahren und schlicht vom Tag. Lust und Feuchtigkeit laufen oft nebeneinander her, aber nicht immer im Gleichschritt.
Und weil es ins Bild passt: Michael Lenke, der Erfinder des Womanizer, gab am 8. September der Augsburger Allgemeinen ein Interview. Das Ehepaar, dessen Geschichte den Film inspiriert hat, ist also selbst gerade wieder Thema.
Warum die Klitoris die Hauptrolle spielt
Im Film braucht Tom eine Werkstatt, um zu verstehen, was Fanny fehlt. Du brauchst nur einen Satz: Die Klitoris ist das Organ, das für den weiblichen Orgasmus zuständig ist. Was man außen sieht, ist nur die Spitze; der größere Teil liegt innen und umschließt die Scheide. Deshalb fühlen sich manche Orgasmen „innen“ an, obwohl auch sie über die Klitoris laufen. Und deshalb reicht für die meisten Frauen Penetration allein nicht als Weg zum Höhepunkt. Das ist keine Diagnose, das ist Anatomie.
Genau da setzt das Prinzip an, das Tom im Film erfindet: Stimulation von außen, ohne Reibung. Ein Druckwellen-Vibrator wird nicht eingeführt, sondern aufgelegt. Eine kleine Öffnung umschließt die Klitoris, im Inneren erzeugt eine Membran sanfte Druck- und Saugimpulse. Viele, denen klassische Vibratoren zu direkt sind, kommen damit besser zurecht. Wenn du das genauer wissen willst, lies meinen Vergleich der Kaufkriterien.
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Feucht ist kein Beweis, trocken kein Urteil: Gleitgel gehört dazu
Aus der Kurier-Schlagzeile folgt ein praktischer Nachsatz, den ich dir nicht ersparen will: Wenn Feuchtigkeit kein Lustmesser ist, dann ist Gleitgel auch kein Eingeständnis. Es ist ein Werkzeug, so wie Toms Gerät eines ist. Viele Paare greifen erst dazu, wenn etwas „nicht klappt“. Dabei macht es mit einem Druckwellen-Vibrator von der ersten Minute an einen Unterschied, weil der Aufsatz besser anliegt und die Haut nicht gereizt wird.
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Für zwei: Was Fanny und Tom gemeinsam herausfinden
Was mir an der Grundidee des Films gefällt: Die beiden gehen das Thema gemeinsam an. Zwanzig Jahre Ehe, und plötzlich forschen sie zusammen. Dafür braucht es im echten Leben kein Labor, nur ein Gespräch und, wenn ihr wollt, ein Toy, das für zwei gedacht ist.
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Fazit
Ein Film über ein Ehepaar, zwei Zeitungsartikel in einer Woche, und alle drei sagen dasselbe: Der weibliche Orgasmus ist keine Frage der richtigen Technik beim Mann und keine Frage von „richtig“ oder „falsch“ beim Körper der Frau. Er läuft über die Klitoris, er braucht oft Hilfe von außen, und Feuchtigkeit sagt nichts über Lust. Tom hat dafür im Film eine Werkstatt und viel Geduld gebraucht. Du brauchst eine Lade, in der das Richtige liegt.
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Quellen
- Falter, Kinoprogramm zum Film, abgerufen am 10. September 2026
- Luna Filmverleih, Filmseite: Kinostart, Besetzung, Länge
- Franceinfo zur Entstehung des Films
- Heute, 9. September 2026: „Mythos entlarvt. Expertin: Vaginale Orgasmen gibt es nicht“
- Kurier, 7. September 2026: „Weshalb vaginale Feuchtigkeit kein Beweis für Lust ist“
- Augsburger Allgemeine, 8. September 2026: Interview mit Womanizer-Erfinder Michael Lenke
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